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Stress und virale Immunabwehr
- 2008 02
Es gibt inzwischen viele Befunde,
welche belegen, dass Stress die Immunabwehr beeinträchtigt. Dies
wurde jetzt wieder von Carolyn Fang et.al gezeigt (ann. behav.
med. (2008) 35:87–96).
Differentiell
konnte sie zeigen,
dass zeitlich begrenzter Stress keine Abwehrstörung bewirkt.
Sehr wohl jedoch anhaltende hohe Stresslevel, welche sogar ein
Aufheben der Immunantwort bewirken können.
Dass Problem dieser Studien ist
aber, dass diese bloß verhaltenstherapeutisch orientiert sind.
Stress wird "gemessen" anhand äußerer Lebensereignisse, also auf
der Ebene bewußt zugänglicher Geschehnisse. Der psychische Stress,
der aus unbewußten Konflikten resuliert, wird einfach übergangen,
da die Autorin es versäumt hat, psychoanalytische Tiefeninterviews
zu machen. Die Ergebnisse wären vermutlich wesentlich prägnanter
ausgefallen. Daher ist davon auszugehen, dass die alten anlytische
Praxiserfahrung des Zusammenhangs zwischen Konflikten und Immunstörungen
stimmen und das dass Problem der Störung der Immunabwehr viel tiefgreifender
ist, als diese einfache Studie aufzeigt.
Psyche und Knie - 2006 10
Die englischen Arbeitsmediziner
untersuchten Arbeiter, welche schwere Lasten tragen mussten, über
zwei Jahre.
Ergebnis:
1. Das einseitige Tragen von
schweren Gewichten ist eine unabhängige Prädiktorvariable für
Knieschmerz
2. Seelische Belastungen (d.h. seelische Gewichte!)
am Arbeitsplatz ebenso!
Diese Arbeit zeigt wieder einmal,
dass auch in der Orthopädie und Arbeitsmedizin die Psychosomatik
eine Mitsprachepflicht hat.
Quelle:
Jones, G. T.; Harkness, E. F.; Nahit, E. S.; J. McBethet.
al.(2006): Predicting the onset of knee pain: results
from a two year prospective study of new workers.Ann Rheum Dis.
Ärger macht herzkrank
Selbst dem Kölner Stadtanzeiger war dies eine
Nachricht wert (27.9.2004, S. 38). US-Forscher hätten das Rätsel
gelöst, wie gesunde Menschen durch Ärger, Feindseligkeit
und leichte Depressionen herzkrank werden können.
Nun muß man wohl zunächst davon ausgehen,
daß gelegentlicher Ärger nicht zu Herzkrankheiten führt.
Gemeint sind wohl eher Menschen, die neurotische Aggressionskonflikte
haben. Hierbei ist sehr zu beachten, daß Ärger, Groll
und Feindseligkeit sehr oft hinter einer freundlich-lächelnden
Fassade abgewehrt sind. Und Depressionen sind sehr oft der Ausdruck
von Aggressionsabwehr. So muß man dem Stadtanzeiger widersprechen:
Solche Menschen sind im psychoanalytischen Sinne eben nicht gesund.
Im übrigen sind diese Auffassungen nicht neu,
sondern seit Jahrhunderten bekannt. Die Psychoanalyse diskutiert
dies Zusammenhänge seit den zwanziger Jahren. Das Neue
an der psychoanalytischen Auffassung ist im Kern, daß all
diese Affekte auch unbewußt (d.h. verdrängt) sein können.
Nun zum Rätsellöser Suarez. Er hat also
herausgefunden, daß Ärger und Depressionen (also verdrängter
Ärger - "frozen angry") die Menge an CRP (C-reaktives
Protein) erhöht. Diese Erhöhung soll also zur Herzerkankung
führen.
Dazu muß man sagen, daß es seit Jahrzehnten
abertausende Studien gibt, die einen Zusammenhang zwischen Affekten
und biochemischen, physiologischen und anatomischen Folgen aufzeigen.
Diese Studie fügt sich in diese Reihe ein. Der Zusammenhang
zwischen bewußte und unbewußten Affekten auf der einen
und Herz-Kreislauferkrankungen ist in seiner Ätiologie und
Patheognese aber immer noch nicht verstanden - diese Studie
ist ein Baustein dazu.
Wir freuen uns also, daß Suarez weitere biochemisch-physiologischen
Grundlagen für die psychoanalytischen Theorie liefert und bedenken,
daß die Tageszeitungen für die Vermittlung komplexer
Sachverhalte doch ungeeignet sind. Typischerweise fehlt jeder Hinweis
auf die Psychoanalyse. Allerdings ist der Zeitung doch zu danken:
Die kleine Nachricht könnte doch manchen nachdenklich machen
und ihn motivieren, seine Konflikte im Rahmen einer Psychoanalyse
zu bearbeiten - auch prophylaktisch.
Literaturnachweis:
Edward C. Suarez: C-Reactive Protein Is Associated With Psychological
Risk Factors of Cardiovascular Disease in Apparently Healthy Adults.
Psychosom Med, Sep 2004; 66: 684 - 691.
Einzelheiten zur Studie: hier klicken.
30.10.04
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