Psi
 

Tunnelseite

Startseite

Philosophie

Wissensch.theorie

Forschung-Kritik

Ethologie

Anthropologie

Ethnologie

Psa. Theorie

Psa. Praxis

Medizin

Neuropsychologie

Psychosomatik

Psychologie

Literatur

Kongresse

Rezensionen

Empfehlungen

Kommentare


Recht

Politik

Gesundheits- system
Psychologie


Medizin



Kultur

Medien-Kritik

Miscellen



Kultur Köln

Kunst Köln
Links

Links

Rechtliches

Impressum

Datenschutz

 

Auf diesen Seiten werden Forschungen vorgestellt, die in der Presse propagiert werden und bei denen ein eklatanter Mangel an psychoanalytischem Fachwissen die Augen brennen lässt.

Die Qualität der Medien ist im Sinkflug.  In vielen Ärztemagazinen werden bloß noch unkritisch - teilweise mit irreführenden Überschriften - irgendwelche "Studienergebnisse" veröffentlicht. Hier werden die Pressemappen der Pharmaindustrie verwertet und auch völlig unkritisch irgendwelche  Studienergebnisse bekannt gegeben.

Die gesamte, auf Statistik beruhende Forschungsmethodik der Medzin hat sicherlich die Medizin aus dem Umkreis von Mythologie und Magie befreit. Jedoch wird nun die Statistik als neuer Gott angebetet.

Hierbei wird völlig übersehen, dass die Statistik Gott und Teufel zugleich ist, um im Bilde zu bleiben.  Die konkrete Anwendung der Statistik auf Daten birgt dermaßen viele statistisch-mathematische Tücken, dass viele Studien nur für die Mülltonne sind.  Hinzu kommen sehr viele Mängel bei der Datenerhebung. Die Interpretationen sind meist sehr oberflächlich und sind der Pferdefuß, an dem der Teufel erkennbar wird.  Typisch ist, dass psychonalytisches Wissen, zum Teil Erkenntisse, welche nun das Hunderjährige feiern könnten, von den statistischen Forschungslegionen nicht zur Kenntnis genommen wird. Vielleicht, weil dazu das Lesen von geistig anspruchsvoller Fachliteratur gehört. Es scheint viel lustiger zu sein, am Computer zu sitzen und seine Spielchen mit SPSS* zu machen.

Erwähnen möchte ich die Münchener Medizinische Wochenschrift. Hier finden sich zu vielen Artikeln ("Studien") kritische Kommentare, und dass ist sehr hilfreich.

*) SPSS = Statistical Package for Social Sciences = Statistikprogramm.

 

Für die Übersendung von Beispielen danke ich. Diese bitte scannen und als JPG-Datei mailen an:  info@psychoanalyse.name

"Heilung für Selbstzweifler - Kekse futtern bannt die Todesfurcht": so titelte eine medizinische Fachzeitschrift.

Unter weiter heißt es: "Sozialpsychologen haben eine neue Waffe gegen Todesfurcht entdeckt. Mit vielen Süßigkeiten ringen Menschen ihre Ängste nieder." Der Schreiber des Artikels bezieht sich eine eine Veröffentlichung von Alison Motluk in der New Scientist 2008, 198, No. 2658 , S. 12 ff. mit dem Titel "Body's own drug damps down fear".

Zunächst einmal kann man davon ausgehen, dass diese Studie wohl nicht von der Pharmaindustrie, sondern eher von der Süsswarenindustrie gefördert wurde. Süßigkeiten seien also eine Waffe gegen Todesfurcht. Interessant, denn die Ursache der Todesfurcht sind ja gerade zum einem Teil Waffen. Also: Waffen gegen Waffen. Und das zum Zwecke der Heilung. Psychonalytiker sollten also Kekse ins Behandlungszimmer stellen. Sofern für diese kein Waffenschein erforderlich ist. Die Studie ist aber auch für das Militär bedeutsam: Vielleicht kann man so der Todesfurcht der amerikanischen Soldaten mit einer neuen Waffe beikommen (und erspart sich Alkohol und Psychopharmaka). Vielleicht erklärt dies auch, warum über 50% der Amerikaner adipös sind.

Die empirische sozialpsychologische Forschung bringt sich selbst also völlig neuartige Erkenntnisse. Psychoanalytiker hingegen haben das Essen von Süssigkeiten als Abwehr gegen Ängste (und auch Depressionen) schon seit 100 Jahren entdeckt. Aber nicht empirisch mit Signifikanzniveau. Sondern durch die klinische Einzelfallstudie. Aber das nehmen die Statistiker nicht zur Kenntnis. Die erforschen den Menschen als faktorenanalytisches Summenwesen. Einzelfälle (sog. "Menschen") haben für die empirischen Sozialpsychologen keine wissenschaftliche Bedeutung. Und so kommt man scheinbar zu Neuentdeckungen.

2007 Mai Schlafstörung und Bindung

Das Risiko von Schlafstörungen wird durch Kontakte zu vertrauten menschen ersetzt.  Das ergab eine Studie aus Schweden mit über 10.000 Fällen. Wer dagegen wenige bindungen hat, schlafe schlechter. Psychoanalytisch gesehen nicht wirklich überraschend.

Fehler: Der Zusammenhang wird kausal interpretiert.  Es ist eher zu erwarten, dass Menschen mit neurotischen Beziehungsstörungen auch schlecht schlafen. Wieviel Steuergelder wurden hier mal wieder für die empirische forschung ausgegeben?

Umzug und Scheidung - 2006 10

Das Rostocker Max-Planck-Institut für Demographische Forschung hat herausgefunden, das häufigere Umzüge die Scheidungswahrscheinlichkeit erhöht.

Dem korrelativen Ergebnis wollen wir glauben, allein der Folgerung nicht.  Zunächst gibt es nur eine Korrelation zwischen den beiden Variablen. Korrelationen geben aber keine Ursachenrichtung an! Psychoanalytiker wissen: Wenn es in der Beziehung nicht stimmt, dann versucht man Lösungen. Z.B. eine neue Wohnung, verbunden mit der Phantasie, dass  dann die Beziehung wieder in Ordnung komme. Also richtig ist: Menschen in brüchigen Beziehungen neigen verstärkt dazu, umzuziehen.

Quelle: Ärztezeitung 13./14. 10. 06

 

 

Hier nun das erste Beispiel:

Da berichtet die Zeitschrift "Kassenarzt" (welche an die niedergelssenen Ärzte geht) in Hefft 23 (2005) auf der Seite 3: Wissenschaftler einer Klinik namen Charitè hätten erstmals mit hirnphysiologischen Untersuchudngen bewiesen, dass exzessives Comptuerspielen zu einer Sucht werden kann. Abgesehen davon, dass Exzessives  meist schon der Ausdruck der Sucht ist und nicht erst dahinführt, ist gar nichts bewiesen.

Die Computerspielsucht beruhe auf den gleichen Mechanismen wie Alkohol- und Cannabissucht. Abgesehen davon, dass Alkoholsucht todsicher zu einer eigengesetzlich verlaufenden körperlichen Abhängigkeit führt und Cannabis nicht, wird hier ein beobachtbares Verhalten unreflektiert mit Stoffwirkungen in Bezug gebracht. Natürlich ist die gemeinsame Endstrecke dass, was freud schon als das Lustprinzip benannt hat. Somit ist es natürlich, dass analoge hirnphysiologische Reaktionen zu erwarten sind. Das Ergebnis ist somit trivial und beweist gar nichts.

Kritisch betrachten muss man das Design, die die Gleichartigkeit der Ergebnisse verständlich macht. Den Probanden wurden Bilder gezeigt von Computerspielen, Alkoholflaschen und neutralen Gegenstände. Abbildungen von Cannabis wurden nicht gezeigt, daher ist die Übertragung auf Cannabiswirkungen schon mal unzulässig. Nun habe die Abbildung von Computerspielen bei den Spielern einen viel stärkeren Reiz ausgelöst als die anderen Abbildungen und vice versa. Da sind wir wirklich beeindruckt von soviel handfestem Forschungsergebnis.

Schon Freud hat sich mit der Aktivierung von Erinnerungsspuren an lustvolle Erlebnisse ausführlich beschäftigt und sogar die Bedeutung dieser Mechanismen für die seelische Entwicklung benannt. Das scheinen die Wissenschaftler aber nicht zu wissen.

Auch die akademische Psychologie der Wahrnehmung weiß darum: Man sieht, was man kennt und man sieht, was man sucht.

Die Psychoanalyse hat klar aufgezeigt, dass die Entstehung von Sucht immer handelt von Regulierung von emotionalen Spannungen - also Abwehrfunktion haben (von Depression, narzißtischer Leere, Aggression, oraler Gier etc.).

Somit kann man sich freuen, dass dieses Experiment die Grundkonzeption der analytische Therorie bestätigt, auch wenn der "Kassenarzt" das Thema in eine pseudo-organische Richtung bringen will. Wahrscheinlich hat die Pharmaindustrie schon die passenend molekularen Designs für die Pillen in der Schublade - solche Forschungsberichte dienen ja oft dazu, die Kassenärzte auf die Rezeptur vorzubereiten.

2006 Juli - Weiteres Beispiel:

Ein Forscherteam hat nun mit großem Aufwand herausgefunden, dass die Persönlichkeit einen großen Einfluss auf die Entstehung von Arbeitssucht hat.  Wer hätte das gedacht?

Offensichtlich haben die Forscher die psychoanalytische Literatur nicht zur Kenntnis genommen, sondern mußten zwecks Bewilligung vonFforschungsmittel erst einmal behaupten, dass die Ursachen der Arbeitsucht noch nicht vollständig geklärt sind.

So ist dann für die Forscher ganz überraschend herausgekommen, dass Menschen mit neurotischen Problemen am ehesten zur Arbeitssucht neigen.

Für Psychoanalytiker ist dabei nichts herausgekommen, denn die interessanten differentiellen Fragen wurden erst gar nicht aufgegriffen. Dies sind z.B. die Fragen nach den Zusammenhängen von ödipaler rivalität, Kastrationsängsten, narzißtischen Problemen, Zwanghaftigkeit bzw. die allgemeine Frage von Arbeit und Abwehr.

Den Forschern kann man nur raten, eine zweite Studie zu machen über den Zusammenhang von Arbeitsstörungen und Persönlichkeit. Sie werden - oh Wunder - ein vergleibares Ergebnis haben - also dass die Persönlichkeit von hohem Einfluss auf die Arbeitsfähigkeit ist.  Dann müssen diese Studien noch in anderen Ländern und mit anderen Stichproben wiederholt werden. Zu Schluss sind Metaanalysen gefordert.  So kann man wunderbar weitere Forschungsgelder abschöpfen. Ein Handicap hat das Forschungsthema allerdings: Die Verände von Industrie und Handel werden wohl nicht als Sponsoren auftreten!

Literatur: Burke, R., S. B. Matthiesen; S. Pallesen: Personality correlates of workaholism. Personality and Individual Differences 2006. Heft 5, S. 1223-1233.