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2008 - Mandelkerne und Aggression
Whittle zeigt in einer Studie (2008) einen
Zusammenhang zwischen pubertärer Aggression und der Größe der Mandelkerne.
Whittle meint nun, das die größeren Mandelkerne eine
stärke Aggression zur Folge hätten. Diese Schlussfolgerung
ist irreführend. Der Autor übersieht dabei, dass die
Vergrößerung eine Folge stärkerer Aggressivität
ist. Es gibt viele Studien, welche zeigen, dass die Aggressivität
in der Pubertät vom Verhalten der Erzieher und vorangehenden
psychischen Beeinträchtigungen ist. Und Mädchen neigen
viel eher zur stillen Aggression: Der Autoaggression, welche ihren
Ausdruck in einer Anorexia nervosa, Bulimie, Migräne bis hin
zu Selbstverletzungen findet.
Die medizinische Presse hat die Studie ohne
Nachdenken freundlich aufgegriffen: Die Pubertät sitze im
Mandelkern. Die Ärzte
werden es wohl glauben und eine neue Diagnose erfinden (z. B. PMA
(Pubertäre Mandelkern-Aggression) und die Pharmaindustrie
bald ein Mittelchen dividendenfördernd auf den Markt bringen.
Whittle, Sarah ; Yap, Marie B. H. ; Yucel, Murat ; Fornito, Alex
; Simmons, Julian G. ; Barrett, Anna ; Sheeber, Lisa ; Allen, Nicholas
B.: Prefrontal and amygdala volumes are related to adolescents'
affective behaviors during parent-adolescent interactions. In:
Proc Natl Acad Sci U S A 105 (2008) Nr. 9, S. 3652-7
2007 März - Transmitter ausschüttung
Bisher (seit 1897) war man der Auffassung, das Transmitter
nur über Synapsen weitergegeben werden. Bonner forscher
haben nun entdeckt, dass die Transmitter auch über die gesamt Strecke
der Dendriten ausgeschüttet werden. 'Diese entdeckung
ist für die gesamte Neurophysiologie von erheblicher Bedetung.
Transkranielle Magnetstimulation - 2006 10
Das amerikanische Verteidigungsministerium fördert
Untersuchungen, ob Magnet-Spulen im Helm die Müdigkeit von
Soldaten unterdrücken
können. Mittels dieser transkraniellen Magnetstimulation
können Hirnfunktionen gestört oder gefördert werden. Über
die Anwendung deser Technik
werden daher in Zukunft auch die Politiker und Geheimdienste entscheiden.
Im übrigen wäre diese eine Anwendung der Hirnforschung,
die zugleich der Ölförderung dienen kann.
2006 September - Das Stubenhocker-Gen
Biochemiker der Universität Minnesota haben vorgeblich ein Stobenhocker-Gen
gefunden. Diese hemme die Produktion von Orexin A, welches für
den Bewegungsdrang zuständig sein. Die Pharmaindustrie ist
schon mit passender Medikamentenforschung beschäftigt. Es ist schon erschreckend, wie komplexe chemische Forschung in
der Auslegung der Befunde trivialisiert und wie Ergebnisse gleich
gewinnbringend vermarktet werden.
2006 April - Schokolade macht doch nicht glücklich
Bisher wurde angenommen, dass Schokolade glücklich macht, weil
es das Serotoninsystem aktiviert. Das stimme zwar, meint
Gordon Parker vom Black Dog Institute aus Sydney. Allerdings müsse
man schon eine Lastwagenladung davon essen, um den Effekt eines
Antidepressiviums zu erreichen. Die Genusserfahrung bewirke
eine bessere Stimmung, nicht hingegen die pharmakologische Wirkung
von Schokolade. Was Parker mit Genusserfahrung beschreibt ist in
der Sprache der Psychoanalyse nichts anderes als die orale Lustbefriedung,
welche bekanntermaßen der Abwehr depressiver Stimmungen dient. Nur
hat sich die Psychoanalyse nie auf das neurophysiologische Schokoladen-Konzept reduziert.
2005
Dezember - Verliebtsein
Durch die Presse geistert die Meldung: Italienische Forsche hätten
das Geheimnis der Liebe entschlüsselt. Das ist natürlich Unsinn. Liebe ist eine komplexe affektiv-kognitive
Verfassung, welche nur verstehbar wird durch die Betrachtung von
Objektbziehungsfähigkeit, strukturellen Gegebenheiten (Über-Ich,
Ich-Ideal etc.) und der individuellen Geschichte von Internalisierungen,
Introjektionen, Identifizierungen und auch Des-Identifizierungen. Beim
weiteren Lesen der Meldungen stellt sich heraus, dass ist allein
um die Verliebtheit geht. Hier sei es so, das die Score-Werte der
Verliebtheit mit dem NFG (Nervenwachstumsfaktor) positiv korrelieren.
Der Effekt des NFG halte aber nicht an, sondern sinke nach einem
Jahr auf normale Werte. Das ist wieder eine typisch kurzschlüsse
Behauptung. Die Verliebtheit als Effekt des NFG darzustellen -
hierdurch werden Ursache und Wirkung auf den Kopf gestellt. Verliebtheit
ist ein komplexes seelisches Geschehen, welches natürlicherweise
zu einer Veränderung biologischer Faktoren führt. Solche
Berichte nähren die Illusion, etwas verstanden zu haben. |